Klimagerechtigkeit & Feminismus – One Struggle, One Fight!

Eine gemeinsame Veranstaltung der Grünen Jugend Köln und dem Institute of environmental justice e.V.

Am Mittwoch, 21.Oktober, ab 19 h

Aufgrund von Corona wird die Veranstaltung Onliner erfolgen. Anmelden geht unter instituteofenvironmentaljustice@posteo.net

Mit der Erhitzung unserer Atmosphäre um mehr als ein Grad ist die Klimakrise in vielen Regionen der Welt bereits grausame Realität geworden. Dürren, Stürme, Waldbrände und steigende Meeresspiegel bedrohen die Lebensgrundlagen vieler Menschen und verschärfen bestehende Ungerechtigkeiten. Nur wenn wir jetzt endlich die Ursachen der Klimakrise verstehen und gerechte, entschlossene politische Antworten finden, können wir die Klimakatastrophe noch aufhalten.

An der vordersten Front im Kampf gegen die Klimakrise und die damit verbundenen Ungerechtigkeiten sind besonders viele Frauen* zu finden. Ohne ihr Engagement gäbe es keine Bewegung für Klimagerechtigkeit – Für ein gutes Leben für alle. Die zentralen Entscheidungen über Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen sowie über die ökologisch-soziale Transformation unserer Wirtschaft und Gesellschaft, werden aber weiterhin von einem kleinen primär weißen, reichen und männlichen Teil der Weltbevölkerung, getroffen.

Während diese auch mehrheitlich zu den Verursachern der Klimakrise zählen, sind es Frauen* in den Ländern des globalen Südens, die als erstes und am stärksten von der Klimakrise betroffen sind: Aufgrund ihrer Stellung innerhalb von Gesellschaft und Familie, die einen geringeren Zugang zu medizinischer Versorgung, Bildung und Erwerbsarbeit bedeutet und ihnen den Großteil der Care-Arbeit aufbürdet. Gleichzeitig sind es diese Frauen*, die mit viel Stärke und Mut Veränderungen in ihren Gemeinden durchsetzen und international mit lauter Stimme für Klimagerechtigkeit streiten. Frauen* müssen gleichberechtigt in allen Entscheidungsstrukturen, von lokaler bis globaler Ebene beteiligt werden, nicht nur weil sie am stärksten Betroffen sind, sondern weil sie über Kompetenzen, Wissen und Erfahrungen verfügen, ohne die wir die Klimakrise nicht aufhalten werden können.

Mit unserer Veranstaltung „Klimagerechtigkeit & Feminismus“ wollen wir unseren Streit für Klima- und Umweltschutz verbinden mit unserem queer-feministischen Streit für Gleichberechtigung, soziale Gerechtigkeit und Antirassismus, um gemeinsam eine bessere, solidarische Weltgemeinschaft aufzubauen.

Gefördert durch ENGAGEMENT GLOBAL mit finanzieller Unterstützung des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und mit Mitteln des evangelischen Kirchlichen Entwicklungsdienstes. Gefördert von der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen.

Bananenschalen gegen die Klimakrise

Um der Klimakrise zu begegnen, braucht es nicht immer futuristische Technologien. In Uganda hat eine Gruppe Frauen mit einfachen Mitteln Erfolg.

Geschrieben von Dorothy Nalubega

Veröffentlicht in der Klimataz Sonderausgabe am 25.09.2020

Im Mai dieses Jahres trat der Fluss Nyamwamba in Uganda über die Ufer. Die Überschwemmungen waren so stark, dass Tausende ihr Zuhause verloren, von den Fluten vertrieben wurden und nicht wenige ertranken. Auch ein Krankenhaus war betroffen, die Patient*innen wurden evakuiert und in einer Schule untergebracht. Doch die medizinische Ausstattung fehlte dort. Und diejenigen, die davon abhängig waren, mit Sauerstoff versorgt zu werden, starben ebenfalls.

Auch dies sind die Auswirkungen der Klimakrise: Infrastruktur wie dieses Krankenhaus in Uganda wird zerstört, und Gelder, die gedacht waren, weitere Infrastruktur aufzubauen, müssen zum Wiederaufbau genutzt werden.

Neben den stärker werdenden extremen Wetterereignissen und folgenden Überschwemmungen sind es die Dürren, die unserer Landwirtschaft zu schaffen machen. Ugandas Wirtschaft ist aber abhängig von ihren Erträgen, 70 Prozent der Bevölkerung sind direkt oder indirekt im Agrarsektor beschäftigt.

Durch die Klimakrise verursachte Dürren und Überschwemmungen zerstören wirtschaftliche Existenzen und verursachen Armut und Hunger. Die soziale Ungleichheit verschärft sich, auch und insbesondere zwischen Frauen und Männern. Da Frauen vor allem in der Landwirtschaft beschäftigt sind, sind sie am stärksten von den Dürren und Fluten betroffen. Sie verbringen mehr Zeit auf dem Feld oder auf der Suche nach Nahrung, müssen weitere Wege gehen, um an Wasser zu gelangen. Dies raubt ihnen auch Zeit, die sie für Bildung, Lohnarbeit und politisches Engagement brauchen.

Keine Zeit, sich politisch einzumischen

Sie sind also damit beschäftigt, um das Überleben ihrer Familien zu kämpfen, statt sich einzumischen in Entscheidungen über Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen. Dabei wäre genau das wichtig – wenn wir die Klimakrise aufhalten und eine gerechte Gesellschaft aufbauen wollen.

Im Bestreben, Frauen zu unterstützen und gleichzeitig Umweltschutz voranzutreiben, haben wir – die Kkona Women Sustainable Agriculturists and Environmental Group – ein Projekt gegründet, das die eigene Herstellung von Briketts zum Ziel hat.

Briketts sind eine Alternative zu Holzkohle sowie gesammeltem oder gekauftem Feuerholz, das in Uganda und den meisten Teilen Afrikas zum Kochen verwendet wird. Denn Holzkohle ist teuer und – nicht zu vergessen – eine große Belastung für die Umwelt, da für sie Bäume gefällt werden müssen. Eine Gefahr für unsere Wälder und damit für die biologische Vielfalt.

Unsere Briketts zum Kochen werden stattdessen unter anderem aus Bioabfällen wie Bananen- und anderen Schalen gemacht. Mit Seminaren geben wir das Wissen um die Herstellung weiter. Die Frauen können sie dann selbst herstellen. Sie sparen damit nicht nur Geld und Zeit, wenn sie mehr produzieren, als sie selbst brauchen, können sie ihre Briketts verkaufen und sich somit ein Einkommen erwirtschaften. Unser Projekt, ins Leben gerufen von Frauen in Uganda schützt die lokale Umwelt sowie das globale Klima und unterstützt gleichzeitig andere Frauen existenziell.

Der Bildungsartikel ist gefördert durch ENGAGEMENT GLOBAL mit finanzieller Unterstützung des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und mit Mitteln des evangelischen Kirchlichen Entwicklungsdienstes. Gefördert von der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen. Für den Inhalt dieser Publikation ist allein Institut of environmental justice e.V. verantwortlich; die hier dargestellte Position geben nicht den Standpunkt von Engagement Global oder des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie der anderen Förderer wieder.

One struggle, one fight!

Global kämpfen besonders Frauen an vorderster Front gegen die Klimakrise. Die Entscheidungen treffen aber andere. Geschrieben von Isadora Cardoso, Lisa Göldner und Kathrin Henneberger

Veröffentlicht in der Klimataz Sonderausgabe am 25.09.2020

Die Klimakrise geht uns alle an. Aber wir tragen nicht alle gleichermaßen zu ihr bei, wir sind nicht alle gleich von den Auswirkungen betroffen und wir sind auch nicht alle gleichberechtigt an den Entscheidungen über die Lösungen beteiligt.

Die Klimakrise ist tief verwurzelt in historisch miteinander verwobenen Unterdrückungssystemen: Patriarchat, Rassismus, Kapitalismus und Kolonialismus. Ohne Rücksicht auf Verluste und die katastrophalen Folgen für unser Klima beuten wir den Planeten aus.

Dahinter liegen dieselben Machtstrukturen, die zur Ausbeutung der Körper von Frauen und (un)bezahlter Care-Arbeit führen, zur Ausbeutung von Menschen und Rohstoffen des globalen Südens und zur Diskriminierung nicht-weißer Menschen.

Wir werden die Klimakrise nicht aufhalten, wenn wir die tiefliegenden Ursachen des Problems unangetastet lassen. Wir brauchen Lösungen, die die Erhitzung des Planeten aufhalten und gleichzeitig unterdrückerische Machtstrukturen in ihren Grundfesten erschüttern.

Den Planeten retten, das Patriarchat zerschlagen

Alle drei arbeiten wir seit Jahren zu Feminismus und Klimagerechtigkeit. Wir wollen den Planeten retten, das Patriarchat zerschlagen und eine Welt schaffen, in der alle Menschen frei und gleichberechtigt leben. Aber es ist verdammt schwierig, sich die Alternativen zum Business-as-usual vorzustellen. Denn diese Unterdrückungssysteme lassen uns nicht viel Zeit und Raum, außerhalb von ihnen zu denken und zu leben.

Während unserer Arbeit mit anderen Feministinnen und Klimaaktivistinnen auf der ganzen Welt haben wir viele erstaunliche Frauen kennengelernt, die dafür kämpfen, dass wir Schritt für Schritt einer feministischen und klimagerechten Zukunft näher kommen. Drei davon wollen wir hier vorstellen.

Wir beginnen an einem der Orte, an denen auch die Klimakrise beginnt. Antonella Calle engagiert sich im Yasunidos-Kollektiv in Ecuador – und zwar dort, wo Extraktivismus Existenzen vernichtet. Sie kämpft für den Schutz des Yasuní-Nationalparks – und gegen die Förderung von Erdöl in dem artenreichen Gebiet, das auch das Zuhause indigener Gemeinschaften ist.

Für Antonella geht Extraktivismus, also die massive Ausbeutung natürlicher Rohstoffe, Hand in Hand mit dem westlichen Patriarchat. Beides kam mit dem Kolonialismus in die Region. Durch den Bergbau wurden Urwälder zerstört, Flüsse und Böden verseucht.

Und mit dem Bergbau einher gehen Vergewaltigungen und Mord an der indigenen Bevölkerung. „Der Kampf gegen die Klimakrise muss immer einhergehen mit Feminismus“, sagt Antonella in der Youtube-Dokumentarserie „Makana: Women in the frontlines fighting the extractive industry and climate change“.

Sie kämpft nicht nur für den Schutz der Natur, des Lands und des Wassers, sondern auch für ihre (indigenen) Mitstreiterinnen. Für die Selbstbestimmung über ihre Körper und ihr Leben. Dagegen, dass man sie belästigt, verletzt oder sogar tötet. Die Kämpfe seien eins, und um sie zu führen, brauche es feministische Arbeitsweisen.

Ebenfalls für die Rechte der Frauen ihrer indigenen Gemeinschaft streitet Hindou Oumarou Ibrahim, die Koordinatorin der „Indigenous Women and Peoples’ Association of Chad“. Im Tschad sind Frauen wie überall auf der Welt stärker von der Klimakrise betroffen als Männer; nicht weil sie „schwächer“ wären, sonders aufgrund ihrer Rolle innerhalb der Gesellschaft und Familien. Sie haben schlechteren Zugang zu Bildung, Lohnarbeit, medizinischer Versorgung und gleichberechtigter Teilhabe in Entscheidungen.

Hindou ist eine von wenigen in ihrer Gemeinschaft, die die Chance hatte, zur Schule zu gehen. Ihre Mutter bestand darauf. Jetzt verhandelt sie auf den UN-Klimakonferenzen die Bildung einer globalen Plattform, um „die indigene Bevölkerung darin zu unterstützen, ihre Menschenrechte einzufordern und für Klimagerechtigkeit zu streiten“, so Hindou.

Die Klimakrise verschärft Konflikte, oft zulasten von Frauen

Ihre indigene Gemeinde, die Peuls M’Bororo, durchwandert mit ihren Kühen die Sahelzone. Doch mit der Abnahme von Weideflächen, dem Versiegen der Wasserstellen und stärker werdenden Hitzewellen wird ihre Lebensweise bedroht – und damit ihre Existenzgrundlage. Angefangen von den Kühen, die immer weniger Milch geben, bis zu gewaltsamen Konflikten zwischen den No­mad*innen und den sesshaften Landwirt*innen.

„Wenn das Essen nicht für alle ausreicht, sind es Frauen, die als Erstes verzichten, damit die Kinder satt werden“, erzählt Hindou. Mit der Bewahrung und Vermittlung von indigenem Wissen, welche Pflanzen beispielsweise gegen Wetterextreme am resistent sind, versucht sie Anpassungsmaßnahmen zu unterstützen.

Dies werde am Rande der Sahelzone aber nicht helfen, wenn die Klimakrise jetzt nicht aufgehalten wird. „Für meine Gemeinschaft bedeuten bereits 1,5 Grad globale Erhitzung eine existenzielle Bedrohung.“

Für Hindou ist die Forderung zentral, dass alle Staaten ihre Klimaschutzzusagen von Paris einhalten. „Sie müssen so schnell wie möglich auf,zero emissions‘ kommen“ – also ganz ohne die Emission von Treibhausgasen auskommen. Von Argumenten, dies sei schwer oder nicht möglich, hält sie wenig. „Wissenschaftliche Lösungen sind vorhanden. Nur der politische Wille, das auch umzusetzen, fehlt.“

Frauen brauchen Platz an den Verhandlungstischen

Eine Ursache, warum zu wenig geschieht: Die Perspektiven indigener Frauen werden nicht berücksichtigt und sie dürfen erst recht nicht an den entscheidenden Verhandlungstischen Platz nehmen. Ndivile Mo­koena arbeitet als Projektkoordinatorin für das internationale Netzwerk „GenderCC – Women for Climate Justice“ daran, dass sich das ändert.

„Frauen werden nicht involviert“, sagt sie. „Entscheidungen werden für sie getroffen. Nicht mit ihnen.“ Sie fordert ein, dass Frauen gleichberechtigt beteiligt sind – auf allen politischen Ebenen. Und dass sie die Entscheidungs­strukturen selbst verändern müssen.

Ndivile arbeitet in Südafrika. Dort begleitet sie Programme, die Frauen helfen, ihre Stimmen für Klimagerechtigkeit und Nahrungssicherheit zu erheben. In vielen Regionen ist die Ernährung der Familien abhängig von der Subsistenzlandwirtschaft der Frauen. Die extremer werdenden Dürren treffen sie hart.

Ndivile will mit ihren Projekten Bäuerinnen über die Auswirkungen der Klimakrise aufklären und ihnen mit Permakultur und nachhaltigen Anbaumethoden helfen, sich anzupassen. „Die Frauen wissen am besten Bescheid über ihr Leben“, sagt Ndivile. „Sie kennen ihre Bedürfnisse und nutzen auch ihr traditionelles Wissen.“

Außerdem unterstützt Ndivile den Aufbau von Gemeinschaftsgärten. „Als wir mit unserer Arbeit begannen, hatten wir sofort Probleme mit patriarchalen Verhalten“, berichtet sie. Männer hätten versucht, die Kontrolle über die Projekte an sich zu reißen, die eigentlich zur Förderung von Frauen gedacht waren. „Sie meinten, den Frauen beispielsweise sagen zu können, sie seien nicht fähig zu graben.“

Die Lebensrealitäten von Hindou, Ndivile und Antonella zeigen, dass der Kampf gegen die Klimakrise eng verwoben ist mit den anderen Kämpfen gegen Unrecht. Ihre Erfahrungen machen deutlich, wie wichtig gleichberechtigte Partizipation an den Entscheidungen über die Lösung der Klimakrise ist: „Nothing about us with­out us!“ Es ist entscheidend, diejenigen in unseren Bewegungen zu unterstützen und zu ermutigen, deren Stimmen noch immer übertönt werden.

Wir brauchen endlich eine kritische Auseinandersetzung mit der europäischen Kolonialgeschichte, die rassistische, patriarchalische, kapitalistische Strukturen in die ganze Welt exportiert hat. Wir müssen diejenigen Konzerne in die Verantwortung nehmen, die Leben und Lebensgrundlagen von Menschen zerstören: die fossile Industrie und die Menschen in politischer Verantwortung, die die Interessen dieser Konzerne über das Leben von Menschen stellen.

Und Hindou, Ndivile und Antonella erinnern uns daran, dass wir es alleine nicht schaffen können. Wollen wir es mit all diesen mächtigen Unterdrückungssystemen aufnehmen, brauchen wir Gemeinschaften, in denen wir Kraft schöpfen und wachsen können, mit denen wir Alternativen erträumen und ausprobieren können. Also schließt euch Bewegungen an, die global für Gerechtigkeit und eine Welt ohne Klimakrise kämpfen!

Der Bildungsartikel ist gefördert durch ENGAGEMENT GLOBAL mit finanzieller Unterstützung des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und mit Mitteln des evangelischen Kirchlichen Entwicklungsdienstes. Gefördert von der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen. Für den Inhalt dieser Publikation ist allein Institut of environmental justice e.V. verantwortlich; die hier dargestellte Position geben nicht den Standpunkt von Engagement Global oder des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie der anderen Förderer wieder.

Lernvideo Klimagerechtigkeit und Feminismus – Grundlagen

Mit Kathrin Henneberger, Institute of environmental justice e.V.

Feminismus und Klimagerechtigkeit. Was hat das den jetzt miteinander zu tun, denkt ihr euch vielleicht. Was haben Treibhausgasemissionen mit der Gleichberechtigung der Geschlechter zu tun?

„Nun sehr viel sogar, ich würde so weit gehen zu sagen, ohne Feminismus wird das nix mehr mit Klimakrise aufhalten und Weltrettung.“

Frauen* müssen gleichberechtigt in allen Entscheidungsstrukturen, von lokaler bis globale Ebenen, beteiligt werden, nicht nur weil sie am stärksten Betroffen sind, sondern weil sie über Kompetenzen, Wissen und Erfahrungen verfügen, ohne die wir die Klimakrise nicht aufhalten können. Um die Klimakrise aufzuhalten brauchen wir die gesamte Menschheit und besonders Frauen*. Denn sie sind es die mit viel Stärke und Mut Veränderungen in ihren Gemeinden durchsetzen und international mit lauter Stimme für Klimagerechtigkeit streiten.

Lerne mehr in unserem Erklärvideo und sehe auch gerne die anderen Erklär-Videos auf unserem Kanal an.

Das Schicksal von El Hatillo. Eine Lernpräsentation.

El Hatillo ist ein kleines Dorf im Departament Cesar inKolumbien. Dort leben ca. 200 Familien, meist in einfachen Lehm- und Holzhäusern. Traditionell leben die meisten Menschen von der Landwirtschaft, der Viehzucht und dem Fischfang. Die Ackerflächen werden gemeinschaftlich genutzt, der meiste Handel wird durch Tauschwirtschaft umgesetzt. Das Bemerkenswerte an dieser Dorfgemeinschaft ist der soziale Zusammenhalt. Dieser soll nun für die Steinkohlemine geopfert werden.

Wenn du weiteres über El Hatillo erfahren möchtest geht es hier lang zu der Lernpräsentation.

Webinar: Klimagerechtigkeit und der sozial-ökologische Wandel des Rheinischen Reviers

Wann? Montag (31.08.), 19:00-20:00 Uhr

Wo? Auf Zoom. Zur Anmeldung eine Mail mit „Webinar 8“ an instituteofenvironmentaljustice@posteo.net schreiben. Hier findet ihr unsere Datenschutzrichtlinien.

Klimagerechtigkeit“ wird in der öffentlich Diskussion immer wichtiger. Die Klimakrise schreitet weiter voran und die Folgen sind global zu spüren. Sie treffen insbesondere den Globalen Süden. Auch in Deutschland sind die ersten Konsequenzen bemerkbar.

Gleichzeitig stehen das Rheinische Revier und das Rheinland mit dem Ende von Kohleabbau und -verbrennung vor einem tiefgreifenden Wandel. Dieser Wandel steht durch den Ausstoß von Treibhausgasen, den Import von Rohstoffen wie Steinkohle sowie lokale soziale und ökologische Folgen steht in einem globalen Kontext.

Klimagerechtigkeit ist ein Leitbild für einen sozialen und ökologischen Wandel des Rheinischen Reviers und von dessen Umgebung.

Gemeinsam werden mithilfe von Kurzinputs folgende Fragen diskutiert: Was steckt hinter dem Begriff „Klimagerechtigkeit“? Was sind die globalen Verknüpfungen des Rheinlands? Und welche Anforderungen lassen sich daraus für den Wandel des Rheinischen Reviers ableiten?

Weiterlesen „Webinar: Klimagerechtigkeit und der sozial-ökologische Wandel des Rheinischen Reviers“

Open Air Workshop: Klimagerechtigkeit und der sozial-ökologische Wandel des Rheinischen Reviers

Datum: Donnerstag, 27. August 2020
Uhrzeit:
17:00 Uhr – 19:00 Uhr
Ort: Hollandwiese, Aachen (https://www.openstreetmap.org/?mlat=50.7747&mlon=6.0511#map=16/50.7747/6.0511)

Klimagerechtigkeit“ wird in der öffentlich Diskussion immer wichtiger. Die Klimakrise schreitet weiter voran und die Folgen sind global zu spüren. Sie treffen insbesondere den Globalen Süden. Auch in Deutschland sind die ersten Konsequenzen bemerkbar.

Gleichzeitig stehen das Rheinische Revier und das Rheinland mit dem Ende von Kohleabbau und -verbrennung vor einem tiefgreifenden Wandel. Dieser Wandel steht durch den Ausstoß von Treibhausgasen, den Import von Rohstoffen wie Steinkohle sowie lokale soziale und ökologische Folgen steht in einem globalen Kontext.

Klimagerechtigkeit ist ein Leitbild für einen sozialen und ökologischen Wandel des Rheinischen Reviers und von dessen Umgebung.

Gemeinsam werden mithilfe von Kurzinputs folgende Fragen diskutiert: Was steckt hinter dem Begriff „Klimagerechtigkeit“? Was sind die globalen Verknüpfungen des Rheinlands? Und welche Anforderungen lassen sich daraus für den Wandel des Rheinischen Reviers ableiten?

Moderation: Anton Jaekel

Aufgrund von Corona bitten wir folgende Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten: 

  1. Bitte bringt eure eigenen Picknickdecke mit und lasst euch mit einem Abstand von 1,5 Metern zum nächsten Haushalt/Teilnehmende entfernt nieder & denkt daran eure eigenen Masken mit zu bringen.
  2. Wir können kein Essen und Trinken ausgeben, bitte bringt euer eigenes mit, teilt dieses aber nicht mit anderen Teilnehmenden.
  3. Personen, die grippale Symptome aufweisen und einen berechtigten Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus besteht, dürfen nicht an der Veranstaltung teilnehmen.
  4. Damit wir über die Teilnehmer*innenzahl einen Überblick erhalten & bei möglichen Coronafällen alle anwesenden Informieren können, bitte wir um eine Anmeldung via Mail bei instituteofenvironmentaljustice@posteo.net.

Diese Veranstaltung ist Teil einer Reihe im Rahmen des Projekts „Postwachstum und Suffizienz als Leitlinien für einen sozialen und klimagerechten Strukturwandel im rheinländischen Braunkohlerevier“. Während sich das globale Klima durch die Klimakrise immer schneller verändert, wird sich auch das rheinischen Braunkohlerevier wandeln. Wie kann dieser Wandel aussehen? Das Projekt wird dieser Frage mit unterschiedlichen Akteur*innen nachgehen und unterschiedliche Dimensionen und Vorstellungen des Strukturwandels beleuchten. Weitere Informationen sind hier zu finden.

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EU Flagge offiziell

 

 

 

Diese Veranstaltung wird mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union durchgeführt. Für den Inhalt des Veranstaltung ist ausschließlich das Institute of environmental justice e.V. verantwortlich und es gibt nicht die Position der Europäischen Union wieder.

Titelbild von Yves Bernardi auf Pixabay, bearbeitet.

KLIMAGERECHTIGKEIT – Selber machen!

Geschrieben von Kathrin und Bärbel Henneberger

Die wissenschaftlichen Fakten über den Treibhauseffekt sind bekannt. Die Auswirkung des Klimakrise in der Gegenwart sowie in der Zukunft ebenso. Trotzdem steigen die Emissionen. Ungebremst rasen wir laut einer Studie der Weltbank von 2012 aktuell auf eine Welt zu, deren globale mittlere Temperatur vier bis sechs Grad heißer sein wird.

Die Klimakrise ist Realität und langsam erahnen wir, was den Generationen nach uns bevorstehen wird. Aber warum passiert so wenig und was können wir tun, jeder einzelne von uns, um die Klimakrise aufzuhalten? Wie können wir eine andere solidarische Weltgemeinschaft aufbauen und Klimagerechtigkeit einfordern?

Aktiv werden, nur wie?

Die Klimakrise scheint ein so großes Problem, es ist wahrlich schwer, erste Schritte zu gehen und zu entscheiden, wo begonnen wir mit diesem Projekt „Weltrettung“ beginnen sollen. Die ersten Schritte können aber einfach sein, sich genau darüber Gedanken zu machen und sich selbst Fragen zu stellen. Wir alle haben Leidenschaften und Fähigkeiten, die uns als Individuum einzigartig machen. Und wir alle bringen unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen mit, negative wie positive, die geprägt von der Gesellschaft sind, in der wir leben. Um die Klimakrise aufzuhalten, brauchen wir die Erfahrungen, Perspektiven, das Wissen und die Fähigkeiten von allen Menschen – auch die deinen.

Deshalb wäre die ersten Fragen, die du dir stellen kannst: Was macht dich einzigartig und welche Kompetenzen bringst du mit? Die zweite Frage wäre: An welchen Ort und mit welcher Gruppe möchtest du zur Tat schreiten? Bei einer lokalen Initiative zu Erhaltung einer wilden Blumenwiese, bei einer internationaler Organisation oder irgendwo dazwischen? Und die dritte und vielleicht wichtigste Frage: Auf was hast du Lust? Den der geheime Schlüssel zum Erfolg ist: Aktivismus muss auch Freude machen. Ob du neue Freund*innen und Weggefährten findest, Mahlzeiten für hungrige Aktivist*innen kochst, Baumhäuser baust oder ob es die organisatorische Büroarbeit ist, die dir liegt.

Ganz wichtig ist auch: Was du noch nicht kannst, kannst du noch lernen. Gerade in der Klimagerechtigkeitsbewegung gibt es regelmäßig Weiterbildungsangebote. Also, trau dich, mach die ersten Schritte und finde raus, wo und wie du beginnen möchtest, aktiv zu werden.

Es wird uns verdammt schwer gemacht…

Ich[Unbekannt1]  will euch nicht anlügen, aktiv zu sein für Klimagerechtigkeit kann sehr oft frustrierend sein, weil sich scheinbar nichts bewegt oder die Gegner zu übermächtig erscheinen. Denn noch profitieren Menschen, Konzerne und Regierungen vom Status Quo – einer Wirtschaft, die auf dem Verbrennen von fossilen Energien und der Ausbeutung von Menschen und Natur beruht. Es ist ein kleiner, primär weißer, wohlhabender und männlicher Teil der Weltbevölkerung, der am meisten von dieser Wirtschaftsform profitiert, und der gleichzeitig an den Verhandlungstischen, die über unser Zukunft entscheiden, am meisten zu sagen hat. Die Perspektiven derer, die am stärksten von der Klimakrise betroffen sind, wie Frauen* in den Ländern des globalen Südens und Frontline Communities sowie die zukünftige Generation, sitzen kaum bis gar nicht in den Verhandlungen. Wir brauchen also die Demokratisierung unserer Weltgemeinschaft. Uns muss klar sein, solange die großen fossilen Konzerne sich nicht grundlegend verändern, werden sie sich automatisch gegen unsere Forderungen stellen und versuchen, diese klein zu machen. Solange unser globales Wirtschaftssystem danach ausgerichtet ist, dass Regionen andere Regionen ausbeuten und kurzfristige Profitinteressen weniger im Mittelpunkt stehen – solange wird es auch sehr schwer bis unmöglich, effektive Maßnahmen für Klimagerechtigkeit zu treffen. Deshalb ist es so wichtig, bei Klimagerechtigkeit nicht nur über technische Lösungen wie Erneuerbare Energien zu sprechen, sondern auch darüber, wie wir es insgesamt schaffen, den Verbrauch von Ressourcen zu vermindern und das, was die Ökosysteme der Erde uns geben können, gerecht zu verteilen.

… und es geht auch um Feminismus und Antirassismus.

Auf den UN-Klimakonferenzen beträgt der Anteil von Frauen* zwischen 30 bis 40 Prozent. Je wichtiger ein Gremium, desto weniger Frauen* und noch seltener Frauen* aus den Ländern des globalen Südens. Auch in Deutschland sind in den Entscheidungsgremien der Politik über Energie und Verkehr primär männlich gelesene Personen zu finden – und so wird die Klimapolitik primär von Männern für Männer gemacht. Dies zeigt sich, wenn Elektroautos als die zentrale Lösung gepuscht werden, statt ein Ausbau von öffentlichen Nahverkehr – der besonders Frauen zugutekommen würde. Die Vorstände fossiler Konzerne sind ebenfalls nach wir vor männlich dominiert. Dem stehen beispielsweise bei Fridays For Future besonders viele junge Frauen* entgegen. Leider erhalten sie für ihr Engagement auch sexistische Beschimpfungen über Social Media oder ganz real auf der Straße. Noch immer ist es auch in unserer Gesellschaft nicht akzeptiert, wenn Mädchen und (junge) Frauen* laut ihre Stimme erheben. Ist die junge Frau zufällig nicht weiß, kommt noch übelste rassistische Hetze hinzu. Aufgrund des Geschlechts oder und aufgrund der Hautfarbe werden Menschen immer noch strukturell benachteiligt und es wird ihnen schwerer gemacht, sich politisch zu engagieren. Werden bei Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen ihre Perspektiven und Bedürfnisse aber weder durch sie selbst vertreten noch mitgedacht, werden die Maßnahmen an der Realität vorbei gestaltet und verpuffen wirkungslos.

BIPOC (Black, Indigenous, People of Color)[1] und FLINT* (Frauen, Lesben, intersexuelle Personen, Nicht-binäre Personen, Trans Personen)[2] müssen auf allen politischen Entscheidungsebenen gleichberechtigt beteiligt werden, nicht nur weil sie zuerst sowie stärker von der Klimakrise betroffen sind als Männer, sondern weil sie Wissen und Kompetenzen mitbringen, die wir brauchen, um die Klimakrise aufzuhalten. Und nicht nur dies, wir müssen die Entscheidungsstrukturen selbst vom patriarchalen-kolonialen Mief des letzten Jahrtausends befreien und vielleicht auch neue, demokratischere Methoden entwickeln.

Klimagerechtigkeit leben

In welcher Welt wollen wir leben? Es gibt viele Ideen, Utopien, Visionen, wie diese gerechtere Welt aussehen könnte. Aber warum darauf warten, bis andere das zulassen, warum nicht schon in den eigenen Gruppen, Bündnissen und Vereinen die Welt aufbauen und Leben, die wir uns erträumen? Und dies ist eine weitere wichtige Zutat für einen erfolgreichen Streit für Klimagerechtigkeit – zu leben was wir fordern. Das fängt bei Gleichberechtigung an. Dass wir gesellschaftliche Gepflogenheiten und Machtstrukturen aufbrechen, die gerade immer noch strukturelle Ungerechtigkeit verursachen. Wenn ihr also in (Klimagerechtigkeits-)Gruppen arbeitet oder beginnt dort aktiv zu werden, oder aber dabei seid eure eigen zu gründen, stellt euch die Frage:

1) Werden Entscheidungen basisdemokratisch von allen gemeinsam gefällt oder sind es wenige, die alle Entscheidungen fällen? Wenn letztes, wer sind jene, die die Entscheidungen treffen? Wenn ihr eine ungerechte Struktur von offenen oder internen Hierarchien feststellt, reflektiert diese und findet gemeinsam Lösungen, wie ihr eine Zusammenarbeit schaffen könnt, in der jede*r gleichberechtigt ist.

2) Wie ist das Geschlechterverhältnis in eurer Gruppe und sind auch BIPOC bei euch aktiv? Wenn auf beides oder einer der beiden Fragen eine negative Antwort folgt, überprüft und überlegt genau, woran dies liegen könnte und wie ihre dies verbessern könnt.

3) Wer spricht für euch? Also, wer gibt die Interviews, wer wird auf Social Media dargestellt, wer hält bei Veranstaltungen Vorträge oder Reden? Da der Diskurs über Themen wie Energie, Klima und Verkehrspolitik immer noch primär von weißen, männlich gelesenen Personen geführt wird, könnt ihr einen Unterschied machen, indem ihr Platz macht für Menschen, die nicht männlich gelesen oder weiß sind.

4) Welche Perspektiven lasst ihr zu Wort kommen? Wenn ihr beispielsweise Bildungsarbeit über Klimagerechtigkeit macht und eure Gruppe primär aus weißen Menschen des globalen Norden besteht: Überlegt, welche Möglichkeiten ihr habt, aktiv Menschen aus den Ländern des globalen Südens einzubeziehen und statt „über“ sie zu spreche, sie selbst zu Wort kommen zu lassen und gemeinsam über Projekt Weltrettung zu diskutieren – und in Aktion zu treten.

5) Werden junge Menschen ausreichend gefördert? Die Sorgen und Forderungen von jungen Menschen werden auch oft – und besonders in der Klimapolitik- global nicht ernst genug genommen. Gleichzeitig brauchen junge Menschen, wenn sie das erste Mal aktiv werden, auch die Möglichkeit zu lernen, wie sie sich effektiv engagieren können. Bildet dafür in euren Gruppen beispielsweise ein Tandemsystem, bei dem erfahrene Menschen frisch dazu gekommene begleiten und unterstützen. Skillshare – das Teilen von Fähigkeiten und Wissen – ist elementarer Bestandteil der Bewegung für Klimagerechtigkeit. Ob das nun ein inhaltlicher Workshop zum Thema Regenwaldschutz ist oder ein Workshop, in dem z.B. junge Frauen Wissen erhalten, wie sie selbst ihre Stimme erheben und Pressearbeit machen können –  es gibt so vieles, das unbedingt von der einer zur nächsten Generation engagierter Menschen weitergegeben werden sollte.

Klimapsychologie

„Unserer Erde steht in Flammen“ – beschrieb Greta Thunberg den Zustand unserer Welt. Für sie und die globale Bewegung von Fridays for Future ist die Klimakrise eine existenzielle Gefahr – im hier und jetzt und in der Zukunft. Deshalb drängen sie laut protestierend auf die Straße und fordern von der Politik entsprechende Maßnahmen. Dass aber ein großer Teil der Bevölkerung die Gefahr als noch nicht so existenziell anerkannt hat, dies liegt teilweise daran, wie die Wahrnehmung des Menschen funktioniert. Unsere Schwäche ist: Wir neigen dazu, sich langsam entwickelnde Gefahren zu ignorieren. Und das Klimasystem reagiert träge auf den Anstieg der Treibhausgase. Wir können nicht direkt die Wirkung unseres Tuns spüren und erkennen so die Gefahr unseres Handelns nur schwer.

Um aktiv zu werden oder andere Menschen davon zu überzeugen, die Klimakrise ernst zu nehmen, müssen wir uns zuerst kurz damit beschäftigen: Wie können wir argumentieren, damit die Klimakrise nicht als eine weit entfernte abstrakte Gefahr wahrgenommen wird, sondern als eine konkrete unmittelbare Bedrohung?

Wir klassifizieren eine Gefahr, wenn sie schnell oder abrupte Veränderungen bedeutet. Wichtig ist uns die Meinung unserer sozialen Gemeinschaft (unserer Familie, Freundeskreis, Mitschüler*innen), der wir uns zugehörig fühlen. Empfinden unsere Nächsten oder Liebsten etwas als (Existenz-)Bedrohung, tun wir dies auch. Ein Beispiel sind die Eltern, die sich nun als „Parents for Future“ organisieren, nachdem ihre Kinder die „Fridays for Future“ Proteste gestartet haben.

Gut trainiert sind wir darauf, Gefahren in der Gegenwart und in der unmittelbaren Umgebung zu erkennen. Wir sind in der Lage zu analysieren, Probleme zu abstrahieren und zu versuchen, logische Schlüsse zu ziehen. Wir wollen rationale Entscheidungen treffen und brauchen für die Abwägung der uns gegebenen Informationen manchmal ein wenig Bedenkzeit. Doch etwas rational als Gefahr anzuerkennen, bedeutet noch nicht, dass wir auch handeln.

Schnell handeln wir, wenn wir emotional betroffen sind oder emotional mitfühlen können. Werden wir getrieben von dem Empfinden von Angst und Schmerz, dann treffen wir sehr schnelle, manchmal auch impulsive Entscheidungen. Und: Wir entscheiden nicht nur, dass etwas eine Gefahr ist – wir handeln.

Dieses Wissen über uns Menschen kann uns helfen, die Klimakrise aufzuhalten. Und wir können unsere Stärken nutzen, um gemeinsam eine nachhaltige und solidarische Gesellschaft aufzubauen.

Zutaten für eine wirksame Klimakommunikation

Wissenschaftliche Daten und Studien sind sehr wichtig, um den Teil unseres Gehirns in Bewegung zu setzen, das rationale Entscheidungen treffen möchte. Damit wirklich etwas passiert, benötigt es eine Aktivierung anderer Art: Wir Menschen müssen uns von den Folgen der Klimakrise betroffen fühlen, verstehen, was alles verloren gehen wird und wie sehr unser aller Leben in der Gegenwart sowie in der nahen Zukunft bedroht sein wird.

Die Klimakrise muss deshalb…

a) … greifbar werden im Hier und Jetzt.

b) … erzählt werden anhand von persönlichen Geschichten, über Menschen, die bereits die Klimakrise erleben. Geschichten, wie wir sie in diesem Buch gesammelt haben.

c) Wir brauchen Ereignisse, die uns anstupsen. Das können auch gemeinsame Erlebnisse (mit der sozialen Gemeinschaft) sein. Ein Projekt, eine Aktion oder ein gemeinsamer Demobesuch für Klimaschutz. Wenn wir beginnen, mit Menschen, die uns nahe stehen (Familie, Freund*innen, Mitschüler*innen) über die Klimakrise zu sprechen und gemeinsam aktiv werden, kann dies eine große Motivation sein, weiter dran zu bleiben oder neue Projekte anzugehen.

d) Die Klimakrise aufzuhalten, kann überwältigend kompliziert wirken. Wie soll auch ein einzelner Mensch die Welt retten? Aber wenn sich viele zusammentun und beginnen, an konkreten Lösungen zu arbeiten, dann kann sich die Weltrettung wie ein Puzzle zusammenfügen – und jede noch so kleine Aktion vor Ort ist ein wichtiges Puzzle-Steinchen, um die Erwärmung der Erdatmosphäre unter 1,5 Grad zu halten.

Die Lösungen für die Klimakrise müssen wir also in konkrete, machbare Aufgaben herunterbrechen (fairgehandelte ökologische statt konventioneller Schokolade kaufen, sich für Fahrradwege in der Stadt einsetzen, Solaranlage aufs Dach setzen…) und die positiven Effekte für die soziale Gemeinschaft aufzeigen.

Konkrete Projektideen Klimagerechtigkeit

Die Antwort auf die Klimakrise ist einmal mehr: Global denken und lokal handeln. Um die Bedeutung des lokalen Handelns (des Puzzle-Steins) für das Globale zu verdeutlichen, ist es wichtig in diesem Bereich Bildungsprojekte umzusetzen. Hier ein paar Ideen:

Für die Schule

• Beschäftigt euch mit der Ursache & Wirkung der Klimakrise und erstellt Lernplakate, die ihr in euren Schulgängen aushängen könnt. Was bedeuten die Klimakrise für Menschen in den Ländern des globalen Südens? Gerne könnt ihr die Geschichten unseres Buches dafür nutzen.

• Recherchiert ob eure Schule evtl. ein Partnerprojekt mit Schulen in den Ländern des globalen Südens starten kann, oder mit einer dort ansässigen lokalen Organisation. So könnte ein lebendiger Austausch entstehen und gemeinsame Projekte organisiert werden (z.B. Solaranlagen auf die Schuldächer – im Norden wie im Süden)

Für die Universität

• An vielen Universitäten gibt es von Studierenden selbst organisierte Ringvorlesungen. Warum nicht eine zum Thema „globale Klimagerechtigkeit“ organisieren. Damit ihr nicht nur „über“ den globalen Süden sondern „mit“ Menschen redet sowie ihnen direkt zuhören könnt: Ladet Referent*innen ein, via Skype/ Videoschaltung einen Vortrag zu halten.

Für Weltwärts

  • Wenn ihr an einem Freiwilligendienst unter dem Programm „Weltwärts“ teilnehmt, dann überlegt euch ob euer Entwicklungsprojekt auch mit den Folgen der Klimakrise in Berührung kommt. Fragt die Menschen vor Ort nach ihren Erfahrungen und evaluiert gemeinsam: Macht es Sinn, das Projekt zu verändern beziehungsweise an die lokalen Auswirkungen der Klimakrise anzupassen?

Für dich und deine (Klima-)Bande/Gruppe

  • Sprich mit deinen Freunden und in der Öffentlichkeit über Klimawandel und was dich daran bewegt.
  • Treff dich häufig mit Gleichgesinnten (Menschen, die sich ebenfalls entschieden haben, nicht oder weniger zu fliegen; weniger Fleisch zu essen, nicht jedes Jahr ein neues Handy zu kaufen etc), zusammen könnt ihr euch austauschen und bestärken
  • Suche Gruppen und Orte in deiner Umgebung, in denen du dein Umfeld mitgestalten kannst (vielleicht eine selbstorganisierte Kneipe, in der ihr entscheiden könnt, regionale und ökologische Produkte zu verkaufen, eine Jugendfreizeit, auf der du Workshops anbieten kannst etc)
  • Schließ dich einer lokalen Klimagruppe an (z.B Fridays for Future, Stadtgarteninitiative, selbstorganisierter Lastenradverleih, Tafel, die gespendetes Essen verteilt…)
  • Bevor du deine Stimme bei Wahlen abgibst: Prüfe das Wahlprogramm der Parteien daraufhin, was die Konzepte für Klimaschutz sind.
  • Nimm Kontakt mit dem Bundestagsabgeordneten/Landtagsabgeordneten deines Wahlkreises auf und frag sie, was sie für Klimaschutz tun. Nehmt die Entscheidungsträger*innen in die Pflicht, angemessene politische Rahmenbedingungen für Klimaschutz zu schaffen.
  • Schließe dich zivilgesellschaftlichem Protest für Klimaschutz an, organisiert Petitionen, Demonstrationen und (Kunst-)Aktionen.  Ruft laut eure Forderungen durch die Megafone oder und nutzt die sozialen Medien, um eure Meinung kundzutun.

Bildet Klimabanden!

Egal in welchem Altem: Jede*r kann aktiv werden für Klimagerechtigkeit. Das wichtigste: Sucht euch Menschen, mit denen ihr gemeinsam aktiv werden möchtet und beginnt ein Projekt. Wichtig ist: Glaubt nicht, dass ihr die Klimakrise alleine lösen müsst oder könnt, es geht um eine kollektive Lösung, darum das alle zusammenkommen und Verantwortung übernehmen. Jede Aktion, jedes Projekt ist wichtig, um gemeinsam etwas Großes zu schaffen: Klimagerechtigkeit, ein gutes Leben für alle Menschen und für die zukünftigen Generationen.


[1]https://kritische-maennlichkeit.de/glossar/people-of-color-person-of-color-poc/

[2]https://kritische-maennlichkeit.de/glossar/flint-lgbtiqa-usw/


Der Bildungsartikel ist gefördert durch ENGAGEMENT GLOBAL mit finanzieller Unterstützung des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und mit Mitteln des evangelischen Kirchlichen Entwicklungsdienstes. Gefördert von der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen. Für den Inhalt dieser Publikation ist allein Institut of environmental justice e.V. verantwortlich; die hier dargestellte Position geben nicht den Standpunkt von Engagement Global oder des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie der anderen Förderer wieder.

Open Air Diskussionsabend: Fahrradwende jetzt! 

25. August, 19 h im Hofgarten Bonn 

Mit: Patrick Tollasz (Radentscheid Bonn), Rebecca Peters (ADFC), Harald Schuster (RadKomm),  Moritz vom Stein ( Fridays For Future), Stefan Gelbhaar (MdB, Sprecher für innerstädtische Mobilität & Fahrradwende der Grünen Bundestagsfraktion) 

Moderation: Kathrin Henneberger &  Leif Czymmek 

Die Luftqualität unserer Städte ist stark belastet, der Verkehrskollaps droht überall und die globale Klimakrise ist grausame Realität. Zeitgleich wächst der Druck von Fahrrad- und Klimaaktivist*innen, Initiativen und Verbänden, die sich für Klimaschutz und lebensfreundliche Städte stark machen. In Bonn ist der Radentscheid dabei die Politik vor sich her zu treiben und von unten die Fahrradwende zu erkämpfen. Berlin ist in den letzten Monaten dafür bekannt geworden blitzschnell Pop-Up Bikelines entstehen zu lassen. 

Es ist an der Zeit miteinander zu diskutieren, zu streiten und auch voneinander zu lernen.

Am 25. August möchten wir mit euch und unseren Referent*innen diskutieren: Wie funktioniert eine effektive fahrradfreundliche Verkehrswende und was hat sie mit sozialer Gerechtigkeit und mit Klimaschutz zu tun?  

 

Die Veranstaltung wird organisiert in Kooperation Institute of environmental justice e.V., Radkomm, ADFC und dem Radentscheid Bonn. 

 

Aufgrund von Corona bitten wir die Teilnehmer*innen ihre Picknickdecken sowie Masken mitzubringen und sich mit ausreichend Abstand zueinander auf die Wiese zu setzen. Wir wollen eine wilde Diskussion zwischen den Gästen und mit euch ermöglichen und dabei niemanden gefährden.

Postwachstum und Suffizienz als Leitlinien eines sozial- und klimagerechten Strukturwandels im rheinländischen Braunkohlerevier

Während sich das globale Klima durch den Klimawandel immer schneller verändert, wird sich auch das rheinischen Braunkohlerevier wandeln. Dieser Wandel stellt das Rheinische Revier und die umliegende Region, das Rheinland, vor große Herausforderungen. Auf der einen Seite intensivieren sich Interessenkonflikte zwischen unterschiedlichen Akteur*innen. Auf der anderen Seite erfordert das Fortschreiten des Klimawandels und der damit einhergehenden Folgen einen klimagerechten Wandel. Soziale und ökologische Aspekte werden wichtiger. Ansätze wie Postwachstum unf Suffizienz stellen Möglichkeiten dar, dies zu ermöglichen.

Wie kann ein klimagerechter Wandel aussehen? Welchen Beitrag können Postwachstum und Suffizienz leisten? Und gibt es für Akteur*innen mit unterschiedlichen Interessen Möglichkeiten ähnliche Perspektiven zu entwickeln? Diese Fragen wurden im Rahmen des Projekts „Postwachstum und Suffizienz als Leitlinien eines sozial- und klimagerechten Strukturwandels im rheinländischen Braunkohlerevier“. Hier findet ihr zentrale Ergebnisse des Projekts zusammengefasst.

Im Laufe des Projekts entstanden mehrere Webinare, diverse Bildungsmaterialien, Kurzvideos und Open-Air-Workshops. Einige dieser Ergebnisse sind hier zu finden – falls ihr tiefer in die Themen einsteigen wollt oder euch an sie herantasten wollt. Ziel der Materialen ist unterschiedliche Möglichkeiten zu geben, wie sich mit den Themen beschäftigt werden kann – und gleichzeitig unterschiedlichen Perspektiven für die Bedeutung von Postwachstum, Suffizienz und Klimagerechtigkeit für den Strukturwandel Raum zu geben.

Weiterlesen „Postwachstum und Suffizienz als Leitlinien eines sozial- und klimagerechten Strukturwandels im rheinländischen Braunkohlerevier“